Bankenregulierung sollte nicht alle über einen Kamm scheren Image
Anstatt die Regulierung zunehmend zu verschärfen, sollte diese so gestaltet werden, dass sie zum Geschäftsrisiko der Banken passt. Foto: Asergieiev/iStock

So spricht für die internen Modelle der Banken zuerst einmal, dass die Banken ihre Kreditnehmer besser als die Aufsicht kennen. Denn es sind die Banken, die sich detailliert mit der Kredithistorie eines potentiellen Kunden, seinem Geschäftsmodell und seinen Geschäftsaussichten auseinandersetzen. Hierbei fließen auch weiche Faktoren ein und somit insgesamt mehr Informationen als sie ein Standardansatz abbilden könnte. Eine allzu starke Standardisierung würde zu einer unscharfen Risikomessung führen. Dadurch erhöhen sich die Eigenkapitalanforderungen für Wohnimmobilien, aber auch Infrastrukturvorhaben und solche Finanzierungen würden für Banken unattraktiver.

Fatal ist die Annahme der Bankaufseher, dass alle Banken nach einem Ansatz reguliert werden können. Denn unterschiedliche Geschäftsmodelle beinhalten unterschiedliche Geschäftsrisiken. So können die international tätigen Großbanken einerseits ihre Anlagen breiter streuen, was sie weniger anfällig für regionale Risiken macht; denn die höhere Kreditnachfrage bei einem Wirtschaftsaufschwung in Land A kann den Rückgang der Kreditnachfrage bei einer Rezession in Land B ausgleichen. Andererseits sind die lokal tätigen Institute weniger den Risiken der globalen Kapitalmärkte ausgesetzt, da sie ihre Geschäfte auf ihre Region beschränken. So waren die regionalen Banken robuster gegenüber den Verwerfungen durch die globale Finanzkrise als die stark international vernetzten Banken. Zudem können die regionalen Banken ihre Risiken durch die Nähe zum Kunden besser einschätzen. Die Unterschiedlichkeit dieser Geschäftsmodelle und der damit verbundenen Geschäftsrisiken kann ein Standardansatz nur schwer abbilden. Würde dieser zu einer unscharfen Risikomessung führen, so kann das Kapital nicht mehr in seine beste Verwendung fließen.

Denn das für die Kreditvergabe benötigte Eigenkapital stellt für Banken eine knappe Ressource dar. Um dieses zu erhöhen, müssen sie Gewinne einbehalten oder neue Aktien oder Geschäftsanteile ausgeben. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass das vorhandene Eigenkapital effizient für die Kreditvergabe eingesetzt wird. Ansonsten entstehen Finanzierungsengpässe für die Realwirtschaft, die vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen belasten würde. Für diese Unternehmen, die selten am Kapitalmarkt Aktien oder Anleihen ausgeben, ist die Kreditvergabe die wichtigste Finanzierungsform. Für sie ist eine individuelle bankinterne Risikomessung wichtig, da sie so eine maßgeschneiderte Finanzierung zu günstigen Konditionen erhalten können.

Die wichtige Aufgabe der Aufsicht ist aber sicherzustellen, dass die Risikomodelle der Banken deren Geschäftsrisiken auch korrekt widerspiegeln und die Banken genügend Eigenkapital gegen Verluste vorhalten.

Dass dies in Deutschland funktioniert, belegen die Statistiken. Ausfallgefährdet sind hierzulande nach Daten der Weltbank lediglich 2,3 Prozent der Kredite; im europäischen Durchschnitt ist diese Quote mehr als doppelt so hoch. Ein Grund für dieses gute Ergebnis ist die konservative Kreditvergabe in Deutschland. Die geringen Kreditausfälle haben den Banken zudem den Aufbau von Eigenkapital erleichtert. Laut Auswertungen der Deutschen Bundesbank ist die Kernkapitalquote der deutschen Institute mit über 12 Prozent mehr als doppelt so hoch wie vorgeschrieben.

Anstatt die Regulierung zunehmend zu verschärfen, sollte diese so gestaltet werden, dass sie zum Geschäftsrisiko der Banken passt. Zwar darf sie ihnen nicht erlauben, unverhältnismäßige Risiken einzugehen, sie sollte sie aber auch nicht zu sehr in ihrer normalen Geschäftstätigkeit einschränken. Diese Gefahr besteht aber, wenn die Regulierung alle über einen Kamm schert ohne die jeweiligen Geschäftsmodelle der Banken – von regional bis global tätig – zu berücksichtigen.

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