Image
In stark wachsenden Städten muss es das Ziel sein, den Verdichtungsdruck von den Zentren nach außen an den Stadtrand umzulenken. Foto: iStock/clubfoto

Die Mieten in den deutschen Ballungsräumen steigen weiter, sie sind Ausdruck einer hohen Nachfrage und eines zu geringen Angebots. Darin sind sich alle Experten und auch die Politik einig. Allein, wie dieser Missstand zu beseitigen ist, wird nur unzureichend adressiert. Dass man Wohnungsmangel nicht beheben kann, indem man Mieten versucht einzufrieren, zeigen die vielfältigen Erfahrungen aus dem Ausland. Außerdem wird der Markt durch Mietstopps letztlich schwerer zugänglich, weil Vermieter an Selbstnutzer verkaufen und Mieter besser nicht mehr umziehen, da Wohnungen eben kaum zu finden sind. Dennoch wollen CDU, SPD, Grüne und Linke an der Mietpreisbremse festhalten, nur die FDP will sie abschaffen. Ob die CDU in einer Koalition mit der FDP tatsächlich die Mietpreisbremse abschaffen würde, bleibt daher abzuwarten. Ein weiteres Beispiel: CDU, SPD und auch die FDP wollen die Abschreibungssätze für den Neubau erhöhen. Dies ist grundsätzlich richtig, denn die Abschreibungssätze sind zu niedrig, aber richtig ist auch, dass es derzeit keiner zusätzlichen Investitionsanreize bedarf, denn die Zinsen wirken bereits wie eine Subvention. Was wirklich fehlt, ist Bauland, und solange Bauland der Flaschenhals ist, werden zusätzliche Unterstützungen vor allem die Baulandpreise erhöhen. Zudem kann das wenige Bauland nicht mit der erforderlichen Höhe und Dichte bebaut werden.

Fakt ist: Ohne weitere Bautätigkeit in den Städten wird es keine nennenswerte Entspannung bei den Mieten geben. Städte wie München, Frankfurt oder Berlin können in den nächsten 15 bis 20 Jahren mit rund 10 Prozent mehr Einwohnern rechnen, wenn sie den entsprechenden Wohnraum bereitstellen können. Gelingt dies nicht, wird wohnen noch knapper und damit zum Luxusgut. Neben Nachverdichtungen im Bestand sind daher neue Stadtviertel unausweichlich. Und hier liegt das eigentliche Problem, da Planung und Umsetzung zu lange brauchen oder an Widerständen vor Ort scheitern. Hinzu kommen Schwierigkeiten, größere Baugebiete gemeinsam mit Umlandgemeinden zu entwickeln.

Die Kommunen aber auch der Bund und die Wirtschaft sollten über neue und vor allem effizientere und schnellere Wege in der Stadtentwicklung nachdenken. In anderen Ländern entstehen in den wachsenden Ballungszentren neue Quartiere mit überzeugenden städtebaulichen Konzepten. Wien mit der Seestadt Aspern oder Valkenburg zwischen Amsterdam und Rotterdam sind hierfür gute Beispiele. In Berlin sind dagegen die Pläne für das neue Stadtviertel Elisabeth-Aue auf Eis gelegt worden.

Ein Umdenken ist daher für eine geordnete und zukunftsfähige Siedlungsentwicklung erforderlich. Erst Nachverdichtung und Nachnutzung im Bestand, dann Neuentwicklung entlang der bestehenden Siedlungsachsen und Verkehrswege, dann neue Stadtquartiere. In stark wachsenden Städten muss es das Ziel sein, den Verdichtungsdruck von den Zentren nach außen an den Stadtrand, in die zentralen Orte der Teilräume und auch in neue Stadtquartiere und Vororte umzulenken.

Wichtig ist es dabei auch, die Infrastruktur frühzeitig bereitzustellen, insbesondere die Anbindung an den ÖPNV. Die Vorfinanzierung dieser Maßnahmen ist für die öffentliche Hand allerdings häufig schwierig. Hier könnten neue Finanzierungswege helfen, etwa eine Wiederbelebung öffentlich-privater Partnerschaften oder aber Infrastrukturfonds. In beiden Fällen ist es möglich private Partner zur Finanzierung an der Infrastruktur zu gewinnen, sofern die privaten Akteure etwa an den Zugewinnen bei den Grundstücken beteiligt werden.

Wir leben in goldenen Zeiten, mit guter Konjunktur, niedrigen Zinsen und einer breiten Suche nach Anlagen. Statt anachronistische Ideen der Wohnungspolitik zu verfolgen, sollten wir nun die Weichen für die Weiterentwicklung der Metropolen setzen. Mit neuen Stadtvierteln mit urbaner Qualität kann nicht nur der Wohnungsmarkt entspannt werden, sondern über die Erweiterung des Angebots an Gewerbeimmobilien auch die wirtschaftliche Prosperität der Städte und seiner Bürger gesichert werden.

Zum Gastbeitrag auf the-property-post.de.

Ansprechpartner

Der Crash bleibt aus
IW-Kurzbericht, 15. September 2017

Michael Voigtländer / Jan Hebecker Immobilien-Index: Der Crash bleibt ausArrow

Die Unternehmen sind sich sehr sicher: Ein Crash in den nächsten zwei Jahren ist nicht zu erwarten, weder im Wohnungsmarkt noch im Gewerbeimmobilienmarkt. Und auch ansonsten schätzen die Unternehmen die Lage und auch die Aussichten als sehr gut ein. Im Vergleich zum Vorquartal hat sich die ohnehin sehr gute Stimmung sogar noch weiter verbessert. mehr

Perspektiven für private Kleinvermieter
Presseveranstaltung, 13. September 2017

Pressegespräch mit Livestream Perspektiven für private KleinvermieterArrow

Deutschland ist traditionell eine Mieternation, knapp 55 Prozent aller Haushalte hierzulande leben in einer gemieteten Wohnung. Die überwiegende Mehrheit aller Mietwohnungen wird von sogenannten Kleinvermietern angeboten, also Haushalten, die sich nicht hauptberuflich mit der Vermietung von Wohnungen und Gewerbeflächen beschäftigen. mehr

Private Vermieter: Aus allen Schichten
Pressemitteilung, 13. September 2017

Michael Voigtländer / Björn Seipelt Private Vermieter: Aus allen SchichtenArrow

Anders als häufig gedacht, sind Vermieter von Wohnungen und Häusern nicht immer auch reich, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Tatsächlich werden die meisten Mietwohnungen in Deutschland von privaten Kleinvermietern angeboten. mehr