Geldpolitik der EZB Image
Ein erster Erfolg des PSPP ist bereits sichtbar. Quelle: eyetronic - Fotolia

Eigentlich soll die Inflationsrate in der Eurozone mittelfristig knapp unter zwei Prozent liegen, doch seit Ende 2012 erreicht die EZB dieses Ziel nicht mehr: Die Inflationsrate fiel auf bis zu -0,6 Prozent. Mit einem großangelegten Kaufprogramm von Staatsanleihen, dem Public Sector Purchase Program (PSPP), steuert die Zentralbank seit einigen Monaten gegen – und damit wird sie bis mindestens September 2016 fortfahren, wie die Bank nun verkündet hat.

Ein erster Erfolg des Programms ist bereits sichtbar: Seit Beginn der umfangreichen Käufe scheint der Preisverfall gestoppt und die Inflationsrate im Euroraum ist auf zuletzt 0,2 Prozent wieder leicht gestiegen. Wichtiger jedoch ist, dass sich zentrale Indikatoren für die Inflation verbessert haben – etwa die Geldmengenentwicklung. Diese misst die von den Banken geschaffenen Einlagen, die von den Unternehmen und Haushalten für Käufe und Investitionen verwendet werden können. Sie liegt mit 5,3 Prozent im Juli deutlich über ihrem Zielwert von 4,5 Prozent – die Inflation könnte sich also in naher Zukunft normalisieren.

Auch die Prognostiker schauen wieder optimistischer in die Zukunft: Die jüngste regelmäßige Befragung von Finanzmarktexperten durch die EZB ergab, dass sie ihre Aussichten leicht nach oben korrigiert haben. Für das Jahr 2016 erwarten sie eine Inflationsrate von 1,3 Prozent und für das Jahr 2017 sogar 1,6 Prozent. Immer weniger Experten erwarten eine anhaltende Deflation. Das ist eine gute Nachricht, denn Deflationserwartungen sind problematisch, weil Unternehmen und Verbraucher in der Erwartung weiter sinkender Preise notwendige Investitionen und Ausgaben aufschieben.

Die Rechnung der EZB, mit dem PSPP die Inflationserwartungen zu stabilisieren, scheint somit aufzugehen. Wichtig ist nun, dass die EZB sich nicht auf diesen ersten Erfolgen ausruht, sondern ihr PSPP bis zum Ende durchzieht. Denn die verbesserten Inflationserwartungen basieren auf genau diesem geldpolitischen Kurs. Würde die EZB ihr PSPP vorzeitig einstellen, drohen die Inflationserwartungen zu kippen. Daher ist es nur richtig, dass die Zentralbank das Programm auch ausweiten will.

IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: Does the ECB’s Unconventional Monetary Policy Endanger the Exit from the Current Low Interest Rate Environment?

IconDownload | PDF

IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedrigzinsumfeld?

IconDownload | PDF

IW policy paper

Markus Demary / Judith Niehues: Die Auswirkungen von Niedrigzinsen und unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen auf die Vermögensverteilung

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

Themen

  • Europäische Union
  • Europäische Währungsunion
  • Europäische Zentralbank
Eine EZB-Zinserhöhung ist überfällig
Gastbeitrag, 1. Februar 2017

Markus Demary und Michael Hüther in der Börsen-Zeitung Eine EZB-Zinserhöhung ist überfälligArrow

Durch die sich normalisierenden Ölpreise und durch die zunehmende wirtschaftliche Erholung des Euroraums haben sich die Inflationsaussichten deutlich verstärkt, schreiben Markus Demary und Michael Hüther in der Börsen-Zeitung. Dies stellt die Angemessenheit der aktuellen Geldpolitik fundamental in Frage. mehr

IW-Kurzbericht, 1. Februar 2017

Markus Demary / Michael Hüther ECB Might Overshoot the Inflation TargetArrow

The European Central Bank (ECB) has prolonged its large-scale asset purchase programs for public and private bonds in December 2016 until the end of 2017. Otherwise the programs would have expired in March 2017. Due to its strong focus on the inflation target of below, but close to 2 percent, the extension of the asset purchasing programs was expected in case of weak inflation dynamics. Inflation, however, recovered at the end of last year due to normalizing oil prices. mehr

Italiens Banken nach Referendum
IW-Nachricht, 5. Dezember 2016

Italien Unsicherheit kann Banken destabilisierenArrow

Die Banca Monte die Pasci di Siena, die drittgrößte Bank Italiens, muss bis zum Ende dieses Jahres einen Großteil ihrer Problemkredite ab- und Eigenkapital aufbauen. Der Ausgang des Referendums macht die Erfüllung dieser EZB-Auflage schwieriger. Andere italienische Banken stehen vor ähnlichen Problemen. mehr