Achtung: Globale Niedrigzinsfalle! Image
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Yellen blieb in ihrer Presseerklärung sehr vage: Sie gehe zwar nicht davon aus, dass sich die US-Wirtschaft dauerhaft abschwäche, wolle eine Zinserhöhung aber von der weiteren Entwicklung der Wirtschaftsdaten abhängig machen. Inflation und Beschäftigung hätten sich zwar verbessert, lägen aber noch unter den Zielwerten der Fed. Deshalb belässt die Zentralbank die Leitzinsen im Zielkorridor von 0 bis 0,25 Prozent, wo sie sich seit Ende 2008 befinden.

Die Märkte hatten sich allerdings darauf eingestellt, dass die Zinsen im September steigen. Wären diese Erwartungen jetzt von Yellen bestätigt worden, hätte sich das bereits auf die Zinsen für Staatanleihen und Hypothekenpapiere ausgewirkt – sie wären gestiegen, da die Märkte angekündigte Veränderungen früh „einpreisen“.

Das könnte der Grund dafür sein, dass Yellen die niedrigen Zinsen nicht antastet. Doch etwas anderes ist mindestens genauso plausibel: der starke Dollar, den Yellen allerdings nicht erwähnt. Denn eine Leitzinserhöhung ließe den Dollar weiter erstarken, wodurch die Produkte der US-Exporteure teurer würden.

Schon jetzt ist der Dollar deutlich teurer als in den vergangenen Jahren – auch aufgrund der Niedrigzinspolitik anderer großer Zentralbanken. So liegt beispielsweise bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Zinserhöhung in weiter Ferne. Zudem hat die EZB gerade erst damit begonnen, monatlich öffentliche Anleihen für 60 Milliarden Euro zu kaufen.

Dadurch stehen die Zentralbanken vor einer Niedrigzinsfalle: Keine Notenbank will, dass die eigene Währung stärker und heimische Produkte damit teurer werden als die der ausländischen Konkurrenz. Also bleiben die Zinsen weltweit niedrig. Doch schnappt die Zinsfalle zu, wären die Sparer die Leidtragenden. Deren Erspartes verliert schon jetzt real an Wert. Geht das auf Jahre so weiter, gerät der soziale Frieden in Gefahr.

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